HPU

HPU: Was steckt wirklich dahinter?

August 26, 2026•5 min read

Ein Konzept, das in der Schulmedizin nicht existiert und das trotzdem für manche Menschen der erste Moment ist, in dem endlich etwas passt. Eine ehrliche Einordnung.

Im vorigen Beitrag haben wir darüber gesprochen, dass Stimmung, Erschöpfung und emotionale Belastbarkeit nicht nur psychische, sondern ganz konkret biochemische Phänomene sind. Dass der Körper die Botenstoffe braucht, um Ruhe, Motivation und Klarheit herzustellen. Und dass er dafür Zutaten benötigt – Zink, Vitamin B6, Mangan, Magnesium.

Heute geht es um Menschen, bei denen diese Zutaten permanent verloren gehen. Nicht weil sie schlecht essen. Sondern weil ihr Körper sie systematisch ausscheidet.

Das Konzept dahinter heißt HPU. Und ich möchte es so ehrlich einordnen, wie ich es kenne.

Was HPU ist und wie es erklärt wird

HPU steht für Hämopyrrollaktamurie. Das klingt sperrig, beschreibt aber eine relativ einfache Theorie: Bei der Hämsynthese, der Herstellung des roten Blutfarbstoffs, entsteht normalerweise ein Zwischenprodukt, das harmlos ausgeschieden wird. Bei manchen Menschen, so die Theorie, läuft dieser Prozess nicht ganz sauber ab. Das Zwischenprodukt, das dann vermehrt entsteht, hat die Eigenschaft, auf dem Weg durch den Körper Zink, Vitamin B6 und Mangan zu binden und diese beim Ausscheiden über den Urin mitzureißen.

Das Ergebnis, wenn das stimmt: Diese Menschen verlieren permanent genau die Mikronährstoffe, die für Neurotransmitter-Produktion, Entgiftung und Hormonregulation zentral sind. Unabhängig davon, wie gut sie essen. Unabhängig davon, wie viel sie supplementieren, wenn sie nicht wissen, was ausgeschieden wird.

Die ehrliche Einordnung

Hier muss ich transparent sein, und das ist mir wichtig: HPU ist in der konventionellen Medizin nicht anerkannt. Die Theorie stammt aus der orthomolekularen Psychiatrie der 1960er und 70er Jahre. Was bis heute fehlt, sind unabhängig replizierte, kontrollierte Studien, die sowohl die postulierten Pyrrolverbindungen im Urin zuverlässig nachweisen als auch einen kausalen Zusammenhang mit den beschriebenen Symptomen belegen. Ein Hausarzt, dem man heute mit HPU kommt, wird in den meisten Fällen ein Schulterzucken ernten. Das ist keine Ignoranz, sondern eine nachvollziehbare Reaktion auf eine dünne Datenlage.

Gleichzeitig erlebe ich in meiner Praxis immer wieder Menschen, bei denen das Muster der beschriebenen Symptome erstaunlich präzise passt und bei denen eine gezielte Substitution mit Zink in bioaktiver Form, aktiviertem B6 (Pyridoxal-5-Phosphat) und Mangan tatsächlich einen spürbaren Unterschied macht. Das ist Erfahrungswissen. Es ist nicht dasselbe wie ein Wirksamkeitsnachweis. Aber es ist auch nicht nichts.

Meine persönliche Einschätzung nach Jahren in diesem Feld: HPU ist wahrscheinlich kein einheitliches, klar abgegrenztes Krankheitsbild. Es ist möglicherweise ein Muster. Ein Überbegriff für eine Gruppe von Menschen, bei denen bestimmte biochemische Engpässe zusammenkommen, aus welchem Grund auch immer. Und manchmal ist das Konzept das fehlende Puzzlestück für jemanden, der trotz gutem Lebensstil nicht auf die Beine kommt.

Das Symptom-Profil

Was in der Praxis auffällt und warum das Thema für manche Menschen so einen Resonanzboden trifft, ist die Wiedererkennbarkeit des Musters. Typische Punkte, die bei HPU-Verdacht oft gemeinsam auftreten:

Hochsensibilität, oft schon seit der Kindheit. Eine schnelle Überreizung durch Lärm, Licht oder große Menschenmengen. Chronische Erschöpfung ohne erklärbaren äußeren Grund. Chemikalien- und Duftempfindlichkeit. Hormonelle Beschwerden, häufig ausgeprägte PMS-Symptome. Kaum Traumerinnerung am Morgen – ein indirekter Hinweis auf B6-Mangel, weil B6 für die Traumverarbeitung und den REM-Schlaf relevant ist. Und: Die Häufigkeit bei Frauen ist deutlich höher als bei Männern, was zum Zusammenhang mit Hormonstoffwechsel und Entgiftung passt.

Keines dieser Zeichen ist allein beweisend. Zusammen ergeben sie bei manchen Menschen ein Bild, das konventionell schwer einzuordnen ist und das dann oft unter „psychosomatisch", „hochsensibel" oder „Stress" läuft.

Wie Diagnostik und Unterstützung aussehen kann

Es gibt Labore, die einen Urintest auf Kryptopyrrol anbieten - das ist das Molekül, das laut HPU-Theorie die Nährstoffe mitnimmt. Die Aussagekraft dieses Tests ist wissenschaftlich nicht abschließend validiert, die Ergebnisse können je nach Probenqualität und Lagerung erheblich variieren. Wer diesen Weg geht, sollte das wissen.

Was dagegen unabhängig von der HPU-Frage sinnvoll ist: Die direkte Messung der betroffenen Mikronährstoffe: Zink im Vollblut, aktives Vitamin B6, Mangan und Magnesium. Diese Werte sind real messbar und geben ein valides Bild. Wenn sie niedrig sind, ist Unterstützung sinnvoll, unabhängig davon, ob die HPU-Theorie in ihrer Gesamtheit hält.

Wichtig für die Umsetzung: Gerade B6 sollte in seiner aktiven Form (P5P, Pyridoxal-5-Phosphat) supplementiert werden, weil viele Menschen mit diesem Muster Schwierigkeiten bei der Umwandlung von normalem B6 haben. Und: Der Einstieg sollte immer langsam und einschleichend erfolgen. Besonders bei Menschen, die empfindlich reagieren, können anfangs Entgiftungsreaktionen auftreten.

INNEN-Perspektive: Endlich ein Rahmen für das, was lange keinen Namen hatte

Der vielleicht wichtigste Effekt, den das HPU-Konzept haben kann, ist gar kein biochemischer. Es ist ein narrativer.

Viele Menschen, die das Symptomprofil kennen, haben jahrelange Erfahrungen damit, nicht ernstgenommen zu werden. Sie sind hochsensibel – und haben gelernt, sich dafür zu schämen oder zu entschuldigen. Sie sind erschöpft ohne erkennbaren Grund – und haben irgendwann angefangen zu glauben, dass es an ihrer Einstellung liegt. Sie haben Hormonprobleme, Schlafprobleme, emotionale Überreizung – und ein Arzt nach dem anderen hat ihnen gesagt, ihre Werte seien in Ordnung.

Wenn ein Konzept – ob vollständig bewiesen oder nicht – plötzlich einen Rahmen bietet für das, was man jahrelang nicht erklären konnte, kann das entlastend wirken. Nicht weil es alle Fragen beantwortet. Sondern weil es sagt: Das bist nicht du. Das ist Biochemie. Das ist etwas, das man anschauen und möglicherweise beeinflussen kann.

Das ist der Wert von Erfahrungswissen, das über den Stand der Forschung hinausgeht. Nicht als Wahrheit, die außer Frage steht. Sondern als Denkangebot, das für manche Menschen eine Tür öffnet.

Zum Schluss

Im September findet ein deutschsprachiger Online-Kongress zum Thema HPU statt, an dem wir teilnehmen – weil wir glauben, dass das Thema Aufmerksamkeit verdient, solange es mit der nötigen Sorgfalt behandelt wird. Nicht als Allheilmittel, nicht als etablierte Diagnose, sondern als das, was es ist: ein Konzept mit realer klinischer Beobachtung dahinter, das noch auf seinen wissenschaftlichen Beweis wartet.

Wer sich in dem beschriebenen Muster wiedererkennt, ist eingeladen, genauer hinzuschauen - am besten begleitet von einer Fachperson, die sowohl die konventionellen als auch die funktionsmedizinischen Werkzeuge kennt.

https://akademie.medumio.de/hpu-kpu-kongress/


Dieser Beitrag gibt einen Überblick über das Konzept HPU und persönliche Praxiserfahrungen. HPU ist kein anerkanntes Krankheitsbild der konventionellen Medizin. Die genannten Nährstoffinterventionen ersetzen keine individuelle ärztliche oder heilpraktische Diagnostik und Beratung.

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Daniela Ptak

Daniela Ptak

Ich bin Daniela, ganzheitlicher Gesundheitscoach und angehende Heilpraktikerin.

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